Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 14. Unmögliclikeit einer allgemeingiltigen Pädagogik. 85
giltigen pädagogischen Methode nicht ganz in Abrede stellen. Er
erblickt für die Pädagogik, im besonderen die Didaktik eine
sichere allgemeingiltige Unterlage in der Vollkommenheit der Vor-
gänge und ihrer Verbindungen, welche in der Teleologie des
Seelenlebens verbunden sind, und glaubt, dafs sie in der Deskrip-
tion der Analysis und Regelgebung den Charakter strenger Sicher-
heit zu erreichen vermag. Nun ist ganz sicher, dafs die formale
psycho-physische Struktur der Menschen auf der ganzen Erde im
grofsen und ganzen die nämliche ist; ferner dafs die formalen
Bedingungen des psychischen Geschehens nicht Schwankungen von
heut zu morgen unterworfen sind, sondern in ihrer Beschaffenheit
sich nur sehr allmählich und aulserordentlich langsam, in grofsen
Perioden und stetig lückenlosem Fortschritt abändern. Daher ist
die Möglichkeit einer gewissen relativen Allgemeingiltigkeit der
pädagogischen Methoden in räumlicher und zeitlicher Hinsicht
als verbürgt durch Untersuchungen anzusehen und zuzugeben,
welche die formale Struktur des Geisteslebens allseitig erhellen;
welche im besonderen auch ins Einzelne gehende Aufklärungen über
die zweckmäfsigen Funktionen der Gefühls- und der Triebkreise,
wegen deren zentralen Bedeutung und Stellung im teleologischen
Zusammenhange des Seelenlebens, verschaffen. Aber mehr als eine
relative Allgemeingiltigkeit springt dabei eben doch nicht heraus.
Das hätte auch Dilthey merken müssen, wenn er bei seiner Unter-
suchung sich nicht blofs auf den historischen, sondern auch auf
den biologischen Standpunkt gestellt hätte. Seine Untersuchung
und damit die von ihm gegebene Lösung des Problems ist unzu-
länglich. So kann er von seinem einseitigen historischen Stand-
punkte aus wohl die zeitliche und räumliche Variabilität des Er-
ziehungszweckes nachweisen, nicht aber eine endgiltige Ent-
scheidung über die räumliche und zeitliche Variabilität oder Kon-
stanz der Erziehungsmittel herbeiführen.
In der That reicht die geschichtliche Betrachtung bereits hin,
um die unbedingte Variabilität des konkreten Erziehungszweckes
nachzuweisen und zwar nicht nur seine zeitliche, sondern auch
seine räumliche. Denn die Geschichte lehrt uns, dafs nicht nur
die Bildungsideale der verschiedenen Völker in verschiedenen
Epochen verschieden sind, sondern auch dals sie in der nämlichen
Epoche bei den einzelnen Völkern je nach der besonderen und
eigentümlichen historischen Entwickelung, die sie durchgemacht
haben, voneinander mehr oder weniger abweichen. Und zwar
sind die Abweichungen um so gröfser, je weniger Beziehungen