Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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84 I- Teil. Die pädagogisclien Grundbegriffe.
ohne eine mathematisch begründete Psychologie nicht eingesehen
werden könne. Nun sei zwar der seelische Mechanismus an sich der
mathematischen Instrumentation zugänglich, aber infolge der Ein-
körperung der Seele träten physische Einflüsse störend dazwischen,
die sich der exakten Berechnung ebenso wie ihre pädagogische
Behandlung entzögen, und das sei um so bedenklicher, da auf
jenen physischen Einflüssen vornehmlich die Verschiedenheiten der
Individualitäten beruhten. Herbart nennt daher die wissenschaft-
liche Ableitung der Erziehungsmittel die dunkle Seite der Päda-
gogik, während ihm die pädagogische Zwecksetzung die helle Seite
der Erziehungslehre ist. Diese Skepsis Herbarts hinsichtlich der
Ableitung der Erziehungsmittel und demzufolge umgekehrt ihrer
Wirksamkeit auf den Einzelnen ist natürlich durchaus berechtigt,
einfach deshalb, weil es unmöglich ist, die durch Anwendung der
Erziehungsmittel bedingten physiologischen Änderungen, nament-
lich die Modifikationen, welche dieselben im Hirn und Nervensystem
hervorbringen, ganz genau zu berechnen. Aber dieselben können
doch mit Hilfe der modernen Wissenschaft annähernd geschätzt
werden, nachdem der Erzieher die Beschaffenheit des betreffenden
Zöglings und seine Abstammung eingehend studiert und erforscht
hat. Den Hauptpunkt der Sache trifft Herbarts Zweifel gar nicht,
indem er nämlich die Frage nach der räumlichen und zeitlichen
Unmöglichkeit oder Möglichkeit der Allgemeingiltigkeit der Er-
ziehungsmittel nicht stellt.
Neuerdings hat Dilthey in seiner Abhandlung „Uber die
Möglichkeit einer allgemeingiltigen pädagogischen Wissenschaft'*)
die ausschliefsliche Historizität, die geschichtliche Wandelbarkeit
aller auf die Festsetzung des Erziehungszweckes sich beziehenden
Bestimmungen behauptet und bewiesen. An der Hand der Ge-
schichte zeigt er, dafs jede Epoche einen besonderen Typus des
Menschen entwickelt, welchem naturgemäfs auch ein besonderes
Vollkommenheitsideal entspricht, das dem Erzieher als Modell für
seine Arbeit dient. Jeder konkrete Erziehungszweck ist somit,
weil historisch bedingt, wandelbar; dasselbe gilt natürlich auch
bezüglich der Erziehungsmittel, sofern dieselben von der im ge-
schichtlichen Werdegange sich allmählich entwickelnden und ver-
vollkommnenden Erkenntnis, dem langsam an Tiefe und Weite
zunehmenden Wissen um das menschliche Seelenleben abhängig sind.
Aber anderseits möchte Dilthey die Möglichkeit einer allgemein-
*) Man vergleiche: Sitzungsberichte der Kgl. Preufsischen Akademie
der Wissenschaften zu Berlin. Jahrgang 1888. S. 807 ff.