Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 14. Unmögliclikeit einer allgemeingiltigen Pädagogik. 83
vereinigt. Der Erzieher befindet sich in ganz derselben Lage. Er
kann wie der Bildhauer wohl verschiedene Modelle benutzen, aber
es müssen reale Wesen sein, und diese tragen stets die
durch die jeweilig geltenden natürlichen und geschicht-
lichen Bedingungen geprägten Züge eines bestimmten
Volkes und einer bestimmten Zeit. Noch mehr, wie der
Bildhauer der Hauptsache nach nur lebende Personen als Modelle
für seine Statuen brauchen kann, so kann auch der Erzieher
der Hauptsache nach blofs seine Volks- und seine Zeit-
genossen als Modelle bei seiner Thätigkeit verwenden.
Denn einerseits lassen die Anlagen des Zöglings mit ihrem spezifisch
volkischen und zeitlichen Gepräge gar nichts anderes zu, und
anderseits wäre, selbst wenn dieses Hindernis nicht bestände, eine
Bildung des Zöglings nach vergangenen Modellen nicht angäng-
lich, da der so gebildete Mensch in seiner Zeit und in seinem
Volke ein Fremdling und unfähig zur Mitarbeit an den Lebens-,
den Kulturaufgaben, somit ein nutzloses Glied der Gesellschaft und
obendrein ein höchst unglückliches, unbefriedigtes wäre, das seinem
Erzieher fluchen würde.
Aus alledem und den Ausführungen im vorigen Abschnitt
geht mit Sicherheit hervor, dafs eine allgemeingiltige Päda-
gogik, eine allgemeingiltige Erziehungslehre und Erziehungs-
kunst ein Unding ist. Weder kann die Erziehung zu allen
Zeiten noch kann sie unter allen Umständen und bei allen
Völkern der Erde die gleiche sein und zwar weder rücksichtlich
ihres Zweckes und Zieles noch ihrer Mittel noch ihrer äufseren
Gestaltung, ihrer Organisation. Dafs dies auch gar nicht der Fall
ist, das führt uns ja sowohl die unmittelbar zugängliche wie auch
die geschichtliche Erfahrung so deutlich vor Augen, dafs man
sich wahrlich über die grofse Naivetät wundern mufs, mit der die-
selbe von so vielen Pädagogen, von einer ganzen grofsen Päda-
gogen-Schule ignoriert und die Möglichkeit einer allgemeingiltigen
Pädagogik fort und fort behauptet wird. Nun freilich könnte ja
der vergangene und gegenwärtige Mangel an Übereinstimmung
auf Zufälligkeiten beruhen; aber das ist durchaus nicht der Fall,
und obendrein wären derartige Zufälligkeiten, die sich immer und
immer wiederholen, doch recht wunderbar und müfsten zum Nach-
denken sehr energisch auffordern.
In gewissem Sinne hat schon H e r b a r t die Möglichkeit einer
allgemeingiltigen Pädagogik bestritten, indem er nämlich die
Ansicht vertritt, dafs das Wirksamwerden der Erziehungsmittel