Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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82 I- Teil. Die pädagogisclien Grundbegriffe.
der ganzen Kulturmenschheit ist, als in ihm das klar und be-
stimmt zu Tage tritt, was unklar und verschwommen die ganze
Zeit bewegt, so dafs der Gesamtgeist der Kulturmenschheit in ihm
sich seiner selbst und des zunächst weiter einzuschlagenden Weges
erst völlig bewufst wird, sei es auch nur in einem bestimmten
Sinne und nach einer bestimmten Richtung hin. Das Genie hat
somit einen Januskopf, es schaut nach rückwärts und nach vor-
wärts: es fafst zusammen und zieht das Fazit aus dem Gegebenen
mit Sicherheit und Schärfe. Noch mehr: es erfüllt nicht blols
altes Sehnen und altes Hoffen, sondern es streut gleichzeitig auch
den Samen für ein neues Hoffen und Sehnen höheren und kühneren
Fluges aus. Aber in allen den Stücken, wo das Genie nicht Genie
ist, ist es ganz Kind seiner Zeit und seines Volkes, repräsentiert
es dessen Eigentümlichkeiten ebenso wie jeder andere Mensch
und teilt die Schwächen und die Vorzüge, die Vorurteile und die
Aufgeklärtheit seiner Zeitgenossen. So existiert niemals und
nirgends der Mensch schlechthin; folglich kann er auch
nicht als Typ, als Vor- und Musterbild dem Erzieher für
seine Arbeit am Zögling hingestellt werden. Giebt es
aber auch einen wirklichen solchen allgemeinen Menschen nicht,
so ist doch vielleicht ein imaginärer auf dem Wege der Abstrak-
tion gewinnbar, der ja als Modell dieselben Dienste leisten würde
wie ein Mensch von Fleisch und Blut. Aber auch das ist nur in
ganz Schemen- und nebelhafter Weise angänglich; von einem
solchen abstrakten allgemeinen Menschen sind keine anderen als so
nichtssagende vind völlig unbestimmte Bestimmungen möglich wie
vernünftiges, sittliches, religiöses, soziales Wesen u. dgl. m. Damit
ist jedoch dem Erzieher nicht geholfen; er mufs, geradeso wie der
Bildhauer, der den Auftrag erhält, aus dem Marmor eine bestimmte,
wenngleich noch so ideale menschliche Gestalt herauszumeifseln,
sei es nun die eines Gottes oder die irgend einer sonstigen sym-
bolischen Figur, eine ganz bestimmte Vorstellung von der-
selben besitzen mufs, ein ganz bestimmtes Bild des Menschen
im Sinne tragen, zu dem er den Zögling heranbilden soll, ein
Bild mit ganz bestimmten Zügen. Der Bildhauer benutzt
als Modell für seine Statue entweder einen Menschen oder auch
mehrere, indem er dazu von dem einen das Bein, von dem
andern den Arm, von dem dritten vielleicht den Kopf abbildet;
aber er benutzt doch eben ganz bestimmte, ganz konkrete Vor-
bilder, die er unter Umständen nur zweckentsprechend kombiniert,
wenn ein Mensch nicht alle erforderlichen Eigenschaften in sich