Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 14. Unmögliclikeit einer allgemeingiltigen Pädagogik. 81
verschwindet vollends jede Möglichkeit einer weiteren Auffassung.
Weiter, aber auch unbestimmter ist eine andere Formulierung des
Erziehungszieles, der zufolge der vernünftige Mensch die Parole
ist, welche der Erzieher zu beachten hat. Jedoch ist die Un-
bestimmtheit bei einem Teil der Pädagogen ebenfalls eine blofs
scheinbare, nämlich bei denen, welche in die Fufsstapfen der Philan-
thropisten und Rationalisten getreten sind. Alle diese argumentieren
wie folgt. Die höchste Richterin, der unfehlbare und unveränder-
liche Prüfstein für alles ist die Vernunft; dieselbe fordert schönes
Gleichmafs, harmonische Entfaltung aller Kräfte des Menschen als
Grundlage eines wahren und dauernden Glückes, worin der Zweck
und die Bestimmung seines Lebens besteht. Durch die Erziehung
kann dieser Zustand freilich nur angebahnt werden, die Erreichung
desselben ist Sache des Menschen selbst, des zur Reife gelangten
Individuums. Damit das aber auch wirklich geschehe, mufs des Zög-
lings Vernunft gehörig geweckt werden: so wird der „vernünftige
Mensch" das Erziehungsideal. Ganz unbestimmt hingegen, blofse
leere Redensart und öde Phrase ist endlich die allgemein-mensch-
liche Fassung des Erziehungszieles, Formeln wie die: bilde den
Zögling so, dafs er dereinst dem Ideale der rein menschlichen Per-
sönlichkeit entspreche, oder: siehe als Zweck deiner Arbeit am
Zögling die normale und harmonische Ausgestaltung seiner Menschen-
natur an. Dergleichen klingt sehr schön, ist aber nichts anderes als
Schale ohne Kern, Form ohne Inhalt, eben grofswortige und hoch-
trabende Phrase. Es wird damit ein Ideal aufgestellt, das nicht
nur unerreichbar ist aus Mangel an Kraft, sondern vor allem aus
Mangel an Sinn. Der Mensch ist nicht Mensch schlechtweg, son-
dern hineingeboren in ein bestimmtes Volk, eine bestimmte Zeit,
eine bestimmte Kultursphäre kann er nur, wie wir gesehen haben,
für dieses sein Volk, für diese seine Zeit, zur Mitarbeit an den
Aufgaben dieser seiner Kultursphäre erzogen werden. Darüber-
hinausreichende Tauglichkeit ist durch die allgemeine
Gesetzmäfsigkeit des Seins und Geschehens bedingte
indirekte Folgeerscheinung, nur beim Genie ist auch eine
unmittelbare Wirksamkeit über diese Grenzen hinaus
feststellbar und somit als thatsächlich gegeben, als kon-
krete, nicht blofs als immanente Wirklichkeit anzuer-
kennen. Aber auch das Genie ist keineswegs Mensch schlechthin;
zwar reicht es über die Grenzen seiner Zeit und zumeist auch seines
Volkes hinaus, aber doch nur insofern, als es die vollkommenste
Personifikation des Gesamtgeistes einer ganzen Kulturepoche und
Bergemann, Soziale Pädagogik. 6